Wieder drängt sich beim Blick auf den Iran der Eindruck auf, einer Revolution beim Entstehen zuzusehen. Zuletzt schien sie greifbar, als nach dem Tod der jungen Kurdin Jina (Mahsa) Amini in Gewahrsam
Scholien
Gründe für die Negativauslese in der Politik
Friedrich August von Hayek sah den Aufstieg der Schlechtesten auf dem Weg zur Knechtschaft als Folge totalitärer oder autoritärer Strukturen. Heutige westliche Pseudodemokratien scheinen diese Einschätzung
Lehren aus der europäischen Geschichte
Lange gehörte der Alpenraum zu den reichsten und interessantesten Regionen der Welt. Bayern, Tirol, Norditalien, die Schweiz, Liechtenstein: Bis in die jüngste Vergangenheit – stellenweise bis in
Identitäre Gewaltwellen
Links gegen rechts, schwarz gegen weiß, Islam gegen Christentum, Mann gegen Frau – die identitär markierte Gewalt erschüttert unsere digitalen Echokammern. Gewalt ist natürlich, ihre Kontrolle eine Kulturleistung, ihre Wiederkehr Kulturverfall. Die polare Zuspitzung zum Identitätskampf, der eigentlich kein Kulturkampf ist, ist unkultivierte Politik. Wer trägt Schuld an diesem Kulturverfall?
Die klarste Schuld liegt im Institutionenversagen: Ein Gewaltapparat, mit höchster Legitimität und höchster Mittelkonzentration, scheitert an seiner vermeintlichen Kernaufgabe – Gewalt zu sanktionieren, zu verhindern, zu unterbinden. Überwiegend rechte, weiße, christliche Männer haben die vielen kleinen Entscheidungen und Tendenzen zu verantworten, die aus westlichen Staaten Versorgungsanstalten gemacht haben, die Gewalt nun mehr heranzüchten als mindern. Doch diese Veränderungen erfolgten auch aus Feigheit, Anerkennungsdrang und Schuldgefühlen gegenüber Linken, Schwarzen, Frauen und nunmehr Muslimen.
Die identitären Markierungen sind schockierend, eindrücklich und spaltend. Der obige Absatz ist ein ernst gemeintes Paradoxon, seine Erklärung ist schwierig, und sie möge letztlich ein wenig Aufklärung und damit Milderung in die identitäre Zuspitzung bringen.
Wir leben in einer Zeit, in der „linke“ Gewalt zwar zunimmt, aber noch immer auf sehr niedrigem Niveau im Vergleich zu den 1960er und 1970er Jahren liegt – und auch im Vergleich zu den 1920er und 1930er Jahren. Jene frühere Gewaltwelle hatte in Deutschland die Nazi-Reaktion genährt, die das Thema identitäre Gewalt konsequent und organisiert anging und daher gewann – zum großen Schaden der eigenen Kultur und Identität. Die zweite linke Gewaltwelle stieß zum Glück für die damalige Gesellschaft auf keine so massive Gegenreaktion mehr, erreichte dadurch aber ihr Ziel. Eingeschüchtert machte man Platz für den Gang durch die Institutionen. Da vieles an der Nachkriegsgesellschaft auszusetzen war, fanden sich auch viele intelligente und anständige Menschen „links“. Das Prinzip des Kaputtmachens, der Todestrieb, ist zwar ein Charaktermangel. Oft ist aber die Hoffnung berechtigt, dass manch schlechte Kruste aufgebrochen werden muss, um neue Saat keimen zu lassen.
Verheerend war weniger, dass einige „Linke“ in Positionen von Einfluss und Einkommen gelangten, die ihnen vorher verwehrt waren, sondern dass sie durch feiges Weichen und Arrangieren Plätze fanden. Dieser Prozess, verschuldet hauptsächlich von Nichtlinken, hat mehr nutzlosen Karrieristen die Türen geöffnet, die Einfluss und Einkommen als Anspruch einlösen wollen, wenn die Leistung selbst nicht reicht.
Und dann beginnt die Statistik langsam zu wirken. Unter weißen Männern sind „Linke“ im Durchschnitt kognitiv leicht überlegen. „Im Durchschnitt“ ist der unerträgliche Horror, der Politik und Kollektivismus nährt. Leider ist es ein realer Horror, kein bloß eingebildeter. Große Zahlen erlauben Mittelung. Und identitäre Marker haben genetische oder kulturelle Hintergründe. Das führt zu unangenehmen Korrelationen, denn in unterschiedlichen Gruppen von Menschen – künstlich nach einem identitären Merkmal zusammengefasst – finden sich unterschiedliche Verteilungen von Attributen. Das Individuum ist nicht determiniert: Ob ich weiß oder schwarz, männlich oder weiblich, links oder rechts, muslimisch oder christlich bin, sagt nichts über meine kognitiven oder charakterlichen Eigenschaften aus. Im Blick auf die Gruppe aber gibt es eben reale Verteilungsunterschiede.
Die hohe Zahl aschkenasischer Juden in den angesehensten bürgerlichen Berufen im alten Wien war real. Die Nazis reagierten mit Quotenregelungen, IQ-Verboten, Verschwörungstheorien und schließlich identitärer Gewalt auf diese Realität.
Jeder kennt Frauen, die den meisten Männern intellektuell weit überlegen sind. Doch im Durchschnitt führen andere Gewichtungen, die evolutionäre Hintergründe haben, zu durchschnittlich geringerem Karriereerfolg in Einkommen und Höhe der Position. Das feige Platzmachen erlaubt es, mit durchschnittlich leicht minderen Maßstäben an Positionen zu gelangen. Weil das „linke“ Durchbrechen und Eindringen hierbei behilflich ist, nagt dies langsam mit linksfeministischer Tendenz am Geschlechterverhältnis – und auch der Staatsapparat füllt sich mit Frauen, die im Einzelnen mit bestem Wissen und Gewissen dienen mögen, im Durchschnitt aber im Gewaltbetrieb leicht weniger leisten müssen. Unterbewusst kann so eine durchschnittlich höhere Abhängigkeit entstehen, ein verbissener Etatismus als Festhalten an Status, Einkommen und Bedeutung.
Die schwarze Hautfarbe verrät die geographische Herkunft der Ahnen, und die ist natürlich nicht ohne genetische und kulturelle Bedeutung. Im Individuellen handelt es sich um irrelevante, allenfalls ästhetisch vorteilhafte Oberflächlichkeit. Im Kollektiven rütteln die leicht unterschiedlichen Durchschnittsverteilungen an der Stabilität der USA. Nach und nach hat sich etwas Ähnliches abgespielt, wie oben für das weibliche Geschlecht beschrieben. Das schleichende politische Gift nährt neuen Rassenhass.
Irgendwann droht dann natürlich die Gegenreaktion. Sie trifft oft Falsche. Doch verleugnen lässt sich die Wut nicht, sie hat ja eine reale Grundlage. Dass eine inkompetente schwarze Frau mit linken Ansichten einen schwarzen Schwerverbrecher nicht sanktioniert, sondern verständnisvoll in Freiheit entlässt, ist nicht die Schuld der Schwarzen oder der Frauen, doch Geschlecht und Hautfarbe sind auch nicht völlig irrelevant für die schreckliche Vermengung. Dass die Bahnhöfe, Verkehrsmittel und Straßen unserer Städte sich mit Zombies füllen – jeder Hautfarbe und jedes Geschlechts –, ist natürlich Kulturverfall. Doch die Zombies sind nur Symptom, nicht Ursache oder Urheber. Ihre identitären Markierungen sind nur kontextuell relevant, nicht kausal. Während in Europa „Talahons“ zombifizieren, lungern auf Kanadas Straßen noch hauptsächlich Nachfahren von Europäern herum, weil dort der Wohlfahrtsstaat schon unheilvoll wirkte, als die Zuwanderung noch selektiv war.
Zuerst erschienen in eigentümlich frei.
Sterben die Libertären aus?
Die Zahl der ortsunabhängigen Freiheitsfreunde wächst. Doch der Grund dafür ist weder nachhaltig noch erfreulich: der wirtschaftliche, politische und kulturelle Abstieg Europas. Die demographische Krise trifft in besonderem Maße die flexibel Ungebundenen, die sich gegenwärtigen Katastrophen entziehen können. Wo Kinder fehlen, können auch in der nächsten Generation keine mehr geboren werden. Das langsame Aussterben moderner Gesellschaften könnte auch den Freiheitsgeist zum Schwinden bringen. Womöglich ist dies schon ein- oder zweimal in der Geschichte passiert, als die mafiöse Symbiose ortsgebundener Interessen und staatlicher Gewalt der stationären Banditen die nomadischeren Händlerkulturen verdrängte. So wie die demographische Asymmetrie gegen Intelligenz selektiert, könnte sie es auch gegen Ortsungebundenheit und Freiheitsgeist tun.
Die Gründe für den Bevölkerungsschwund sind einfach zu erklären, aber doch etwas paradox. Der wichtigste Grund ist eigentlich erfreulich, bringt aber zwei sehr unerfreuliche weitere Gründe mit sich, die den Trend massiv verstärken. Ein Konzept der Österreichischen Schule der Ökonomik liefert die beste Erklärung: Opportunitätskosten. Jede Lebensentscheidung kostet die Optionen, die sie verschließt. Steigender Wohlstand und damit wachsende Vielfalt der Lebenswege verteuern das Kinderkriegen subjektiv dramatisch. Kinder benötigen Zeit und andere Ressourcen, für die es nun vermeintlich ergiebigere oder reizvollere Verwendungen gibt.
Steigender Wohlstand nährt aber auch die stationären Banditen, die sich Untertänigkeit durch Umverteilung erkaufen – ein Prozess, der oft als „Demokratie“ gründlich missverstanden wird. Damit wächst die Zahl derjenigen, die davon entbunden werden, ihren Lebensunterhalt dadurch zu bestreiten, anderen Menschen zu dienen. Anspruchshaltung führt zu Statusgier, denn typische Minderwertigkeitskomplexe leistungslos Wohlhabender suchen zur Rechtfertigung ihres unterbewusst parasitären Status Anerkennung durch Geltungstugend.
Eine typische Geltungstugend ist das unrealistische Geschlechterverständnis, das teils umverteilungsfinanzierte Lohnarbeit für Frauen als Errungenschaft auslegt. Insbesondere versuchen durch ihre Untertänigkeit sexuell unattraktive Männer, mit solchen falschen Gefälligkeitskomplimenten weibliche Anerkennung zu bekommen.
Noch verheerender ist der zweite Folgeeffekt unverdienten und unverstandenen Wohlstands: die Zerstörungswut zum Statusausgleich. Sinnleere, die durch Kinderlosigkeit noch verstärkt wird, bereitet das Vakuum, in dem diese Wut als Todestrieb explodieren kann. Unterbewusste Missgunst lässt danach trachten, zu zerstören, was man selbst nicht aufbauen kann. Dieser Todestrieb, der in der Wiener Tiefenpsychologie erstmals benannt wurde, richtet sich nicht nur gegen die Gesellschaft und Wirtschaft, sondern vor allem gegen alles Lebendige, das sich nicht kontrollieren lässt. Hier treffen sich Freiheitsfeindschaft und Kinderfeindlichkeit: der wütend eingeforderte gesellschaftliche Selbstmord. Nur die Niedrigsten können sich durch Einebnung und Gleichmachung erheben.
Immerhin: Diese zwei Folgeeffekte treffen Freiheitsfreunde weniger; darum ist der demographische Nachteil noch nicht eindeutig erwiesen. Leider wiegt aber der erste, der erfreuliche Grund für vermehrte Kinderlosigkeit schwerer. Der steigende Wohlstand zeigt sich in steigender Mobilität, was infolge der politischen Plünderung der Immobilen die Opportunitätskosten für Freiheitsfreunde noch erhöht. Während Migranten aus der Dritten Welt Ankerkinder in die westlichen Wohlfahrtsstaaten vorausschicken, werden die Steuerzahler aus der Ersten Welt durch eigene Kinder an den Anker gelegt – oft durch das Einlassen auf kreditfinanzierte Eigenheime und stationäre Arbeitsplätze.
Nur ein positiver Aspekt begünstigt manche Freiheitsfreunde, die früh auf technologische Hilfsmittel setzen. Der letzte Babyboom beruhte darauf, dass neue Technologien die Kosten der Hausarbeit und des Hauserwerbs gesenkt hatten, bevor noch der große Einkommenseffekt eingetreten war. In diesen wenigen Jahrzehnten wirkte dann auch eine kulturelle Verstärkung hin zu Familienidealen, die zunächst den unverstandenen Trend rationalisierte. Leider war eine der Technologien, die das Kinderkriegen vergünstigte, eine nicht nachhaltige Finanztechnologie – die Verbreitung des Hypothekarkredits, die den Trend überdehnte und dann die scharfe kulturelle Gegenreaktion verstärkte, die ab den 1960ern einsetzte.
Im Zuge der Gegenreaktion wurden Kinder und Familien zum Gegensatz der Freiheit erklärt. Ein Kern Wahrheit liegt in den ab den 1950ern wieder steigenden Opportunitätskosten. Doch der Gegensatz ist so irreführend wie der zwischen Sparen und Konsum. Auf frühere Konsumfeindlichkeit folgte Konsumfreude, und diese braucht Ersparnisse auf. Doch ohne Konsum, ohne die Nutzung von Mitteln für menschliche Zwecke, ist die Anhäufung von Mitteln sinnlos. So ist auch das Maximieren freier Optionen ohne freie Entscheidungen zugunsten besserer Lebenswege sinnlos. Die ewige Ungebundenheit ist ohne Wert. Ortsunabhängigkeit und Produktivitätssteigerung sind Mittel zum Zweck, kein Endzweck.
Ein kinderloses Leben bietet mehr Optionen, aber kaum ein Lebensweg wiegt das individuelle Glück elterlicher Liebe auf. Nachwuchs bedeutet säkulare Transzendenz, das heißt, etwas, das über die eigene Existenz hinausreicht und dieser dadurch Sinn und Langfristigkeit bieten kann, ohne den heute schwierigen und nur wenigen zugänglichen religiösen Weg zu beschreiten. Gerade gegenüber der religiösen Gewissheit einer Auserwähltheit, welche die Ausnahme israelischen Kinderreichtums trotz Wohlstands erklärt, tut sich moderner Freiheitsdrang schwer, der territoriale und kollektive Identität nicht über individuelles Leben und Glück stellen mag. Künftige Generationen von Freiheitsfreunden kann es nur geben, wenn die durch Wohlstand und Technologie errungenen Optionen zur Mehrung von Leben genutzt und nicht bloß gehortet oder für kurzfristigen Lustgewinn verschwendet werden.
Zuerst erschienen in eigentümlich frei.