Wir leben in der Zeit der großen Ent-Täuschung: Bequeme Gewissheiten schwinden, und das Misstrauen in die Institutionen steigt. Insbesondere durch Politik, Banken und Universitäten – die Domänen vermeintlicher "Experten" – fühlen sich viele verraten und flüchten in antiintellektuelle, antimarktwirtschaftliche und antigesellschaftliche Fundamentalopposition. In der Tat sind die genannten Institutionen gekippt, hinter den Fassaden regiert der Bluff. Umso wichtiger wird allerdings kritische Erkenntnis, unternehmerisches Wagnis und gesellschaftliches Engagement. Das erfordert zugleich Demut und Rückgrat, was nur wenige aufbringen können. Mut gibt uns die bürgerliche Perspektive, dass Veränderungen zum Guten selten von Mehrheiten und Gewalten ausgehen, sondern durch Erkenntnisse, Werte und Schaffenskraft einer kleinen Minderheit.

scholarium bedeutet Gemeinschaft der Lernenden und ist das, was die Universität hätte sein können, aber nicht sein durfte. Das scholarium ist kein subventionierter Elfenbeinturm, keine staatsakkreditierte Zertifikatsfabrik, keine "Denkfabrik" einer Lobby, kein Missionierungswerk einer Ersatzreligion. Das scholarium ist ein lernendes Unternehmen, in dem unbequeme Erkenntnis und reale Wertschöpfung auf einzigartige Weise verbunden werden. Damit bietet das scholarium eine seltene Nische für die wenigen Verbliebenen, die besonnen dem Wahnsinn der Zeit trotzen: Differenzierte Orientierung statt ideologischer Verkürzung für Klicks und Likes, echte Bildung statt zertifizierte "Ausbildung" an der Realität vorbei, mutiges Nachdenken über Alternativen und Auswege statt staatstragendem Mitläufertum.

Warum braucht es ein solches Unternehmen überhaupt? Institute und Initiativen mit guten Intentionen gibt es zur Genüge. Die meisten sind allerdings ideologisch motiviert, das heißt, sie wissen schon, was gut für uns ist, haben fertige Schlussfolgerungen und entwickeln erst danach Argumente, um andere zu bekehren. In aller Regel sind solche Initiativen subventioniert, das heißt, Interessengruppen zahlen für diese (letztlich nicht zielführende) Missionierungsarbeit, oder es fließt gar Steuergeld hinein, das heißt, wir zahlen alle mit, egal ob wir die Werte teilen und die Arbeit schätzen. Das ist natürlich die ideale Voraussetzung für Unprofessionalität, Verschwendung, Selbstbeweihräucherung, Anpassung und Denkverbote. Sind sie nicht subventioniert, so sind es meist Hobby–Projekte mit der typischen Vereinsmeierei (je drei Engagierte werden vier Vereine gründen, die ihren jeweiligen Anspruch auf Wichtigkeit durch ausgefeilte Strukturen und Versprechen zelebrieren).

Im scholarium besteht eine der letzten Möglichkeiten, in Europa ein studium generale zu betreiben: Theorie ohne politisch korrekte Tabus, besserwisserische Ideologien und verstaubte Lehrpläne; Praxis ohne modischen Unsinn, hysterische Ungeduld und unreflektierte Imitation. Vollzeit oder Halbzeit, ab zwei Monaten, flexibel und auf persönliche Interessen zugeschnitten. Zwei Schienen werden derzeit geboten:

1.) studium generale, d.h. intensive, realistische, kritische, interdisziplinäre Erkenntnis auf höchstem Niveau ohne akademische Bluffs und politische Agenden – mit dem Ziel tiefen Verständnisses der Welt und ihrer Dynamiken. Große Werke, große Gedanken, große Traditionen statt Zeitgeist.

2.) digital entrepreneurship, d.h. praktische Aneignung jener Fertigkeiten, die nötig sind, um den ungeheuren ökonomischen und technologischen Wandel einzuholen und zu überholen – mit dem Ziel eigener unternehmerischer Projekte.