Die Debatte über Künstliche Intelligenz und Arbeit wird meist auf der falschen Ebene geführt. Gefragt wird, welche Jobs verschwinden, welche neu entstehen und welche Qualifikationen künftig gefragt
Scholien
Revolution und Gegenrevolution im Iran
Wieder drängt sich beim Blick auf den Iran der Eindruck auf, einer Revolution beim Entstehen zuzusehen. Zuletzt schien sie greifbar, als nach dem Tod der jungen Kurdin Jina (Mahsa) Amini in Gewahrsam
Gründe für die Negativauslese in der Politik
Friedrich August von Hayek sah den Aufstieg der Schlechtesten auf dem Weg zur Knechtschaft als Folge totalitärer oder autoritärer Strukturen. Heutige westliche Pseudodemokratien scheinen diese Einschätzung zu widerlegen, weil deren Spitzenpolitiker oft die Spitze an Inkompetenz und Charaktermängeln darstellen. Natürlich könnte man Hayeks Argument als Warnung auslegen, dass politische Zentralisierung zu negativen Selektionsanreizen führt. Doch ein genauer Blick hinter die Kulissen heutiger Polit-Inszenierung weckt Zweifel an einem Zusammenhang zwischen Machtkonzentration und Negativselektion.
Sehen wir uns ein aktuelles Beispiel aus Österreich an, um die Schlechtestenauswahl besser zu verstehen. Eben erschien das zweite Buch von Franz Schabhüttl, dem ehemaligen Leiter des bekanntesten Flüchtlingslagers nahe Wien. Darin gibt dieser nicht nur erneut einen tiefen Einblick in die korrupte und menschenfeindliche Flüchtlingsindustrie, sondern entlarvt zwei österreichische Vertreter des Spitzenpersonals, einer vermeintlich links, der andere vermeintlich rechts.
Vizekanzler Andreas Babler stieg zu dieser Position dank seiner Bekanntheit als Bürgermeister von Traiskirchen auf, wo besagtes Flüchtlingslager liegt. Schabhüttl deckt auf, dass der Sozialist Babler nicht nur stets ahnungslos war, sondern auch am Schicksal konkreter Flüchtlinge völlig desinteressiert. Er nutzte das überfüllte Flüchtlingslager rein als Trittbrett für seine politische Karriere: im Ort als Scharfmacher, der „die Sorgen der Bevölkerung“ ernst nimmt, nach außen als Vorzeigehelfer mit dem Geld anderer Leute.
Jeder, der Babler im Fernsehen seinen ekelhaften Politsprech lallen hört, wird sich fragen, wie der an die Spitze des Landes kommen konnte. Kann man mit Hayek darauf schließen, dass Österreich bereits totalitär ist?
Zweifellos ist das Land auf dem Weg zur Knechtschaft weit fortgeschritten, liegt nur noch knapp hinter Deutschland und Großbritannien. Doch die von Hayek vermutete Kausalität ist nicht klar auszumachen. Babler wurde von Medien und Funktionären ausgewählt, seine Machtfülle hält sich sehr in Grenzen. Oft ist es gerade die Schwäche einer Funktion, zu der die Schwäche eines Kandidaten passt. Die wahren Entscheidungsträger bleiben im Hintergrund.
Heute haben Medien die Vorauswahl übernommen. Der Medienbereich ist zwar staatlich massiv verzerrt, doch auch in der Gegenöffentlichkeit und in den eher konzerndominierten digitalen Medien sind dieselben Mechanismen am Werk. Das Flüchtlingsthema schaffte Aufmerksamkeit, auf dieser lässt sich links wie rechts reiten. Auch Bablers Gegenkandidat, der so knapp unterlag, dass er zunächst als Sieger verkündet wurde, ritt auf demselben Thema. Auch dieser gab sich volksnah, aber da aus dem ländlicheren und wirtschaftlich schwächeren Burgenland stammend, noch mehr Verständnis für die Sorgen über die Massenmigration heuchelnd.
Ein anderes aktuelles Beispiel für die Bedeutung von Medien ist die ehemalige finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin. In ihrer eben erschienenen Autobiographie gefällt sie sich in der Opferrolle, dass die Medien so sexistisch gewesen wären. Natürlich null Selbstkritik, dass sie eben doch nicht mehr als ihre Schönheit für das Amt zu bieten hatte.
Ist das die Auswahl der Schlechtesten? Nein, Schönheit ist kein Makel. Das Überwiegen medialer Netzwerkeffekte viraler Berühmtheit ist aber kein Hinweis auf Auswahl. Es ist ein Hinweis auf mangelnde Auswahl – und allgemeine Verdummung. Diese mangelnde Auswahl liegt nicht an Machtkonzentration, sondern daran, dass kurzfristigen Parasiten das Wirtswohl nicht am Herzen liegt.
Da wir nun an einem Wort angelangt sind, das aktuell als rechtsextrem verdammt wird, will ich auf den zweiten Antagonisten aus der Flüchtlingslagerabrechnung eingehen. Dieser ist Bankier, Spitzenfunktionär, politisch „rechts“, ehemaliger Landesjägermeister, Organisator katholischer Wallfahrten und von „Sauschädelessen“ – das glatte Gegenteil der LGBT-offenen Vegetarierin Marin. Ein Jahr lang heimste er das Amt „Flüchtlingskoordinator“ ein.
Lange hielt er nicht durch. Offensichtlich hätte er gerne noch ein bisschen Status zum Ruhestand hin konsumiert, Geld hat er schon genug. Schabhüttl deckt ihn in seinem Buch als hinreichend inkompetent, aber vor allem autoritär auf. Dieser „rechte“ Spitzenfunktionär zählt zum österreichischen „deep state“, einem unerträglichen Filz kleinbürgerlicher Aufschneider und ämtergeiler „Gschaftlhuber“.
Zuletzt machte ein anderer Vertreter dieser Schicht von sich reden, der paradoxerweise das „wirtschaftsliberale“ Gewissen Österreichs verkörpern wollte – das aber mit Spitzengehalt für die Wirtschaftskammer tat. Wo einst ausgerechnet Ludwig von Mises arbeitete, regiert heute ein milliardenschwerer Sumpf von Funktionären, die durch Zwangsbeträge der ohnehin zu Tode belasteten Unternehmen finanziert werden.
Gewiss finden sich Mediengesichter wie Sanna Marin und Annalena Baerbock auf parasitären Posten versorgt, erstere für das Tony Blair Institute for Global Change, letztere für die Uno. Doch von der Logik ist es nicht viel anders, wenn nun ein viraler Youtube-Star statt wie ehedem Fernsehstar Botschafter für Entwicklungshilfe wird. Die wirklichen Parasiten sind eben die Funktionäre im Hintergrund, die zynisch die mediale Auswahl von Spitzenpolitikern zulassen, solange sie sich ungestört bereichern können. Es war diese gesättigte Oberschicht der Gesellschaft, die ihren zivilisatorischen Niedergang in spätrömischer Dekadenz hingenommen hat.
Ein paar Politschauspieler bekommen dann die Krümel vom Festmahl ab, halten aber auch ihr Gesicht hin, was gewiss nicht immer angenehm ist – denn damit werden sie auch zu Sündenböcken, an denen die ganze Wut abperlen kann. Die Opferrolle steht ihnen natürlich nicht zu, da fürstlich entlohnt und ohne jede Verantwortung. Doch sie sind weder die größten noch die einzigen Parasiten. In der Pseudodemokratie „sind wir alle“ (jedenfalls mehr als 50 Prozent) „Parasiten“, daher wohl auch die Wut gegen dieses Wort.
Zuerst erschienen in eigentümlich frei.
Lehren aus der europäischen Geschichte
Lange gehörte der Alpenraum zu den reichsten und interessantesten Regionen der Welt. Bayern, Tirol, Norditalien, die Schweiz, Liechtenstein: Bis in die jüngste Vergangenheit – stellenweise bis in
Identitäre Gewaltwellen
Links gegen rechts, schwarz gegen weiß, Islam gegen Christentum, Mann gegen Frau – die identitär markierte Gewalt erschüttert unsere digitalen Echokammern. Gewalt ist natürlich, ihre Kontrolle eine Kulturleistung, ihre Wiederkehr Kulturverfall. Die polare Zuspitzung zum Identitätskampf, der eigentlich kein Kulturkampf ist, ist unkultivierte Politik. Wer trägt Schuld an diesem Kulturverfall?
Die klarste Schuld liegt im Institutionenversagen: Ein Gewaltapparat, mit höchster Legitimität und höchster Mittelkonzentration, scheitert an seiner vermeintlichen Kernaufgabe – Gewalt zu sanktionieren, zu verhindern, zu unterbinden. Überwiegend rechte, weiße, christliche Männer haben die vielen kleinen Entscheidungen und Tendenzen zu verantworten, die aus westlichen Staaten Versorgungsanstalten gemacht haben, die Gewalt nun mehr heranzüchten als mindern. Doch diese Veränderungen erfolgten auch aus Feigheit, Anerkennungsdrang und Schuldgefühlen gegenüber Linken, Schwarzen, Frauen und nunmehr Muslimen.
Die identitären Markierungen sind schockierend, eindrücklich und spaltend. Der obige Absatz ist ein ernst gemeintes Paradoxon, seine Erklärung ist schwierig, und sie möge letztlich ein wenig Aufklärung und damit Milderung in die identitäre Zuspitzung bringen.
Wir leben in einer Zeit, in der „linke“ Gewalt zwar zunimmt, aber noch immer auf sehr niedrigem Niveau im Vergleich zu den 1960er und 1970er Jahren liegt – und auch im Vergleich zu den 1920er und 1930er Jahren. Jene frühere Gewaltwelle hatte in Deutschland die Nazi-Reaktion genährt, die das Thema identitäre Gewalt konsequent und organisiert anging und daher gewann – zum großen Schaden der eigenen Kultur und Identität. Die zweite linke Gewaltwelle stieß zum Glück für die damalige Gesellschaft auf keine so massive Gegenreaktion mehr, erreichte dadurch aber ihr Ziel. Eingeschüchtert machte man Platz für den Gang durch die Institutionen. Da vieles an der Nachkriegsgesellschaft auszusetzen war, fanden sich auch viele intelligente und anständige Menschen „links“. Das Prinzip des Kaputtmachens, der Todestrieb, ist zwar ein Charaktermangel. Oft ist aber die Hoffnung berechtigt, dass manch schlechte Kruste aufgebrochen werden muss, um neue Saat keimen zu lassen.
Verheerend war weniger, dass einige „Linke“ in Positionen von Einfluss und Einkommen gelangten, die ihnen vorher verwehrt waren, sondern dass sie durch feiges Weichen und Arrangieren Plätze fanden. Dieser Prozess, verschuldet hauptsächlich von Nichtlinken, hat mehr nutzlosen Karrieristen die Türen geöffnet, die Einfluss und Einkommen als Anspruch einlösen wollen, wenn die Leistung selbst nicht reicht.
Und dann beginnt die Statistik langsam zu wirken. Unter weißen Männern sind „Linke“ im Durchschnitt kognitiv leicht überlegen. „Im Durchschnitt“ ist der unerträgliche Horror, der Politik und Kollektivismus nährt. Leider ist es ein realer Horror, kein bloß eingebildeter. Große Zahlen erlauben Mittelung. Und identitäre Marker haben genetische oder kulturelle Hintergründe. Das führt zu unangenehmen Korrelationen, denn in unterschiedlichen Gruppen von Menschen – künstlich nach einem identitären Merkmal zusammengefasst – finden sich unterschiedliche Verteilungen von Attributen. Das Individuum ist nicht determiniert: Ob ich weiß oder schwarz, männlich oder weiblich, links oder rechts, muslimisch oder christlich bin, sagt nichts über meine kognitiven oder charakterlichen Eigenschaften aus. Im Blick auf die Gruppe aber gibt es eben reale Verteilungsunterschiede.
Die hohe Zahl aschkenasischer Juden in den angesehensten bürgerlichen Berufen im alten Wien war real. Die Nazis reagierten mit Quotenregelungen, IQ-Verboten, Verschwörungstheorien und schließlich identitärer Gewalt auf diese Realität.
Jeder kennt Frauen, die den meisten Männern intellektuell weit überlegen sind. Doch im Durchschnitt führen andere Gewichtungen, die evolutionäre Hintergründe haben, zu durchschnittlich geringerem Karriereerfolg in Einkommen und Höhe der Position. Das feige Platzmachen erlaubt es, mit durchschnittlich leicht minderen Maßstäben an Positionen zu gelangen. Weil das „linke“ Durchbrechen und Eindringen hierbei behilflich ist, nagt dies langsam mit linksfeministischer Tendenz am Geschlechterverhältnis – und auch der Staatsapparat füllt sich mit Frauen, die im Einzelnen mit bestem Wissen und Gewissen dienen mögen, im Durchschnitt aber im Gewaltbetrieb leicht weniger leisten müssen. Unterbewusst kann so eine durchschnittlich höhere Abhängigkeit entstehen, ein verbissener Etatismus als Festhalten an Status, Einkommen und Bedeutung.
Die schwarze Hautfarbe verrät die geographische Herkunft der Ahnen, und die ist natürlich nicht ohne genetische und kulturelle Bedeutung. Im Individuellen handelt es sich um irrelevante, allenfalls ästhetisch vorteilhafte Oberflächlichkeit. Im Kollektiven rütteln die leicht unterschiedlichen Durchschnittsverteilungen an der Stabilität der USA. Nach und nach hat sich etwas Ähnliches abgespielt, wie oben für das weibliche Geschlecht beschrieben. Das schleichende politische Gift nährt neuen Rassenhass.
Irgendwann droht dann natürlich die Gegenreaktion. Sie trifft oft Falsche. Doch verleugnen lässt sich die Wut nicht, sie hat ja eine reale Grundlage. Dass eine inkompetente schwarze Frau mit linken Ansichten einen schwarzen Schwerverbrecher nicht sanktioniert, sondern verständnisvoll in Freiheit entlässt, ist nicht die Schuld der Schwarzen oder der Frauen, doch Geschlecht und Hautfarbe sind auch nicht völlig irrelevant für die schreckliche Vermengung. Dass die Bahnhöfe, Verkehrsmittel und Straßen unserer Städte sich mit Zombies füllen – jeder Hautfarbe und jedes Geschlechts –, ist natürlich Kulturverfall. Doch die Zombies sind nur Symptom, nicht Ursache oder Urheber. Ihre identitären Markierungen sind nur kontextuell relevant, nicht kausal. Während in Europa „Talahons“ zombifizieren, lungern auf Kanadas Straßen noch hauptsächlich Nachfahren von Europäern herum, weil dort der Wohlfahrtsstaat schon unheilvoll wirkte, als die Zuwanderung noch selektiv war.
Zuerst erschienen in eigentümlich frei.